17.11.2025
16. - 19.10. Herbstkurs im Kuckucksnest
Coping with chaos … Souveränität im Tanzsaal
Nein – chaotisch war der Herbstkurs nicht. Darum musste unser Teacher Florence Burgy selbst für Chaos sorgen, als sie zum Finale des Herbstkurses einen ganz besonderen Teaching-Point ins Spiel brachte: Umgang mit herausfordernden Tanz-Situationen.
„Kennt ihr das auch? Ihr seid auf dem Ball und habt geplauscht oder das Recap wird von einem freundlichen Schotten mit furchtbarem Akzent superschnell runtergerasselt?“ erkundigte Florence sich. Allgemeines Kopfnicken und Schmunzeln in der Gruppe. So ziemlich jede und jeder kennt diese Situation, wenn der Tanz losgeht und man einen totalen Blackout hat, obwohl man den Tanz doch eigentlich in- und auswendig kennt oder keinen Schimmer was zu tun ist, weil man das Recap nicht verstanden oder verpasst hat! „Das Üben wir jetzt!“ verkündete Florence und schickte die Hälfte von jedem Set auf den Flur. Dort unterhielten wir uns angeregt, um die Situation des „Recap verpasst“ auf einem Ball angemessen nachzustellen.
Nach 10 Minuten wurden wir wieder reingerufen. „Die Musik wartet nicht!“ verkündete Florence und schon schlug Silke Großholz den Anfangs-Akkord an. Unsere PartnerInnen mussten uns nun während des Tanzes durch Signale, Gesten oder kurze Ansagen durch den Tanz lotsen. Eine wirklich spannende Übung, bei der es allerlei Gelächter gab – und wir sehr überrascht waren, wie gut wir das doch hinbekamen. Im Anschluss reflektierten wir noch, was in solchen Situationen hilft: Blickkontakt, die Namen der Figuren kennen, Körpersignale und covern der Person im Set gegenüber auf derselben Position zum Beispiel.
Doch auch andere ungewöhnliche Tanz-Situationen brachte Florence ein: Mit „The Cooper’s Wife“ übten wir einen Tanz in 10-Bar-Phrases, ein anderer Tanz wechselte in ungewöhnlicher Weise zwischen Setting-, Travelling- und Slipsteps und mit dem „Glasgow Highlander Setting Step“ hatten wir eine schöne Alternative zum normalen Strathspey-Setting.
In den Tagen zuvor hatten wir aber auch schon einiges erlebt: Florence ließ uns die Bedeutung der Arme beim Tanzen erleben, indem wir die Arme eben zeitweise NICHT verwenden durften. Es wurde zum Beispiel bei einer Poussette geübt, die Figuren OHNE Hilfe durch den Partner – nur mit Augenkontakt – zu bewältigen. Dabei merkt man erstmal, wie hilfreich es ist ein Gegenüber zu haben. Und bekommt ganz nebenbei mehr Kontrolle über die eigene Körperbewegung. Endlich wieder in klassischer Poussette-Haltung konnten wir alle unsere Partnerin oder unseren Partner sehr viel mehr schätzen als früher.
Ein besonderes Highlight war wohl die „Tea Pottery“ ein verdammt langer Strathpey im Square, der aus 3 Teilen besteht. Diese übten wir jeweils separat während der Classes am Freitag und Samstag ein, um den Tanz dann Samstag beim Abschluss-Abend vollständig durchtanzen zu können.
Neu war das „Luften!“-Konzept, dass Florence und ich (als Kursleitung) spontan einführten. Entgegen der bisherigen Sitte zwischen kurzen Trink- und langen Lüftungspausen zu unterscheiden haben wir dieses mal viele sehr kurze Lüftungs-UND-Trinkpausen gemacht, da einige mit Erkältungen kämpften, während andere gern viel Sauerstoff im Saal haben wollten. Auf diese Weise konnten die Fenster und Türen während des Tanzens geschlossen bleiben und der Saal kühlte trotz herbstlich-frischer Temperaturen in den kurzen Lüftungspausen nicht aus. Somit konnte allen Bedürfnissen Rechnung getragen werden.
Doch natürlich sind die Classes nur ein kleiner Teil des Erlebnisses „Kuckucksnest“. Das ganze Wochenende war wieder erfüllt von Musik, Essen und Gelächter: „Eat, Dance, Eat, Dance, Eat, Dance, Drink, Sleep and Repeat“ ist wohl das „Mini-Crib“ vom Kuckucksnest. Das Ganze von viel Gelächter, Schokoküssen und Kartenspielen untermalt.
Wie immer fühlten wir uns in der Gemeinschaft der Schottentänzerinnen und durch die Herzlichkeit unserer Gastgeber Ebby und Stina sofort wieder ganz zu Hause.
Ich selbst hatte großen Spaß daran im Namen der Branch alle Willkommen zu heißen, Dies und Das zu regeln und hoffentlich ein bisschen dazu beizutragen, dass sich „altgediente Kuckucksnestler“ und „Erstlings-Gäste“ gleichermaßen wohl fühlten. Besonders dankbar bin ich aber Achim, der mich tatkräftig dabei unterstützte die Musikerin mit Tee zu versorgen, Tanzlisten online zu stellen, Namenskärtchen zu organisieren und ein buntes Abschlussgeschenk für Florence und Silke zu besorgen.
Dieses Mal gab es eine Umhänge-Tasche mit Noten-Aufdruck, gefüllt mit Leckereien für die Rückreise, denn man hatte uns vorher verraten, dass Florence mit dem Zug unterwegs sei und ein Blumengebinde da wohl etwas unhandlich wäre.
Und so schlossen wir den Kurs am Sonntag mit viel Applaus, Auld lang Syne und Silkes rasanter Polka um noch einmal Stinas köstliches Mittagessen zu genießen und uns dann mit unseren neu erlernten oder vertieften Techniken, den Erinnerungen an wunderbare Gespräche, neuen Tänzen und müden Füßen wieder auf den Weg in unsere Heimat-Tanz-Gruppen zu begeben.
Doch eins ist wohl sicher: Wir gehen, um wieder zu kommen! Nicht wahr? Das neue Tanzjahr steht ja bereits vor der Tür!
Text: Marion Mahnke
Foto: Achim Mahnke

